Orange Wine & Amphorenwein: was dahintersteckt
Orange Wine ist Weißwein, der wie Rotwein gemacht wird: Die weißen Trauben vergären mitsamt ihren Schalen. Dieser Schalenkontakt gibt dem Wein seine bernstein-orange Farbe und seine Tannine — mit Orangen hat das nichts zu tun, mit Farbstoff erst recht nicht. Die Methode ist kein Trend, sondern eine der ältesten Arten überhaupt, Wein zu machen — und sie wird gerade wiederentdeckt, oft in Tonamphoren wie vor Jahrtausenden. Für uns ist das mehr als Weinwissen: Unser Bio-Wein kommt vom Weingut Rothe in Franken, einem der deutschen Pioniere des Amphorenweins.
Was Orange Wine ist — und wie er entsteht
Um den Unterschied zu verstehen, hilft ein Blick auf den gewohnten Weg: Für klassischen Weißwein presst man weiße Trauben und trennt den Saft sofort von den Schalen. Vergoren wird nur der helle Most — deshalb bleibt der Wein hell. Beim Orange Wine dreht der Winzer dieses Prinzip um: Die Schalen bleiben mit im Most und vergären mit, genau wie beim Rotwein. Das nennt man Maischegärung.
Während dieser gemeinsamen Gärung lösen sich Farb- und Gerbstoffe aus den Traubenschalen in den Wein. Das Ergebnis ist ein Weißwein, der im gewohnten Sinn keiner mehr ist: Bernstein bis Orange im Glas, mit spürbaren Tanninen, Struktur und Griff — geschmacklich steht er zwischen Weiß und Rot. Der Name beschreibt dabei allein die Farbe. Orangen sind nicht im Spiel, Zusätze auch nicht: Alles kommt aus der Traube selbst.

Weißwein, Orange Wine, Rotwein: der Unterschied auf einen Blick
| Weinart | Trauben | Gärung | Farbe im Glas | Tannine |
|---|---|---|---|---|
| Weißwein | Weiße Trauben | Saft wird sofort von den Schalen getrennt und ohne sie vergoren | Hell | Kaum spürbar |
| Orange Wine | Weiße Trauben | Maischegärung — die Schalen gären mit | Bernstein bis Orange | Deutlich, mit Struktur und Griff |
| Rotwein | Dunkle Trauben | Maischegärung — die Schalen gären mit | Rot | Deutlich |
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Die Faustregel: Die Traubenfarbe entscheidet über Weiß oder Rot — der Schalenkontakt über alles, was dazwischen liegt.
Die Amphore: 8000 Jahre Weingeschichte
Orange Wine ist eng mit einem Gefäß verbunden, das über 8000 Jahre Geschichte hat: der Amphore. In Georgien vergärt man Wein seit Jahrtausenden in großen Tonkrügen, den Qvevri, die traditionell in der Erde vergraben werden. Die UNESCO zählt diese Tradition zum Kulturerbe — es ist eine der ältesten bekannten Formen der Weinbereitung überhaupt.
Heute erlebt die Amphoren-Tradition eine Renaissance — und mit ihr der Orange Wine, der oft in genau solchen Tongefäßen ausgebaut wird. Wer so arbeitet, entscheidet sich bewusst für ein sehr altes Handwerk statt für den bequemsten Weg.
Weingut Rothe: Amphoren-Pionier aus Franken
Genau diesen Weg ist das Weingut Rothe in Nordheim am Main gegangen. Manfred Rothe — Bioland-Pionier und gelernter Koch — widmet sich seit 2011 dem Orange Wine und baut ihn seit 2013 in Tonamphoren aus. Damit gehört das Weingut zu den deutschen Pionieren dieser Methode.
Bioland bedeutet dabei: Richtlinien, die deutlich strenger sind als das gesetzliche EU-Bio-Siegel. Mehr über das Weingut liest du im Porträt Weingut Rothe — Bioland-Wein aus Franken, mehr über seine Heimat in Frankenwein & Bocksbeutel.
Und was hat das mit Sankt Sprizz zu tun?
Eine Klarstellung vorweg: Sankt Sprizz selbst ist kein Orange Wine. Unsere Weinbasis ist eine Cuvée aus Weiß- und Rotwein vom Weingut Rothe — sie sorgt für den zarten Rosé-Ton im Glas, ganz ohne Farbstoffe. Aber der Orange Wine erzählt viel über den Winzer, mit dem wir arbeiten: über Mut, Geduld und Handwerk. Wer Weißwein jahrelang in Tonamphoren ausbaut, arbeitet mit Geduld — und genau dieses Handwerk steckt auch in unserem Wein.
Der Weg der Flasche im Überblick: Der Bio-Wein kommt vom Bioland-Weingut Rothe aus Nordheim am Main in Franken. In Willing bei Bad Aibling entsteht in der Genossenschafts-Brennerei von 1881 die Grundmischung mit Kräuterextrakten aus Enzian und Wermut — destilliert wird dort übrigens nichts mehr. Gemischt und abgefüllt wird am Ammersee, bei PERGER in Breitbrunn. Das Ergebnis gibt es in zwei Stärken mit gleicher Rezeptur: Senza mit 0,0 % vol. auf Basis von entalkoholisiertem Bio-Wein und Classic mit 5,0 % vol.
Wie daraus ein fertiger Aperitivo wird, liest du Schritt für Schritt in Wie wir Sankt Sprizz machen. Und wo Sankt Sprizz im Vergleich zu Aperol Spritz, Lillet Tonic & Co. steht, zeigt der große Aperitivo-Vergleich.
Häufige Fragen
Was ist Orange Wine?
Weißwein, der wie Rotwein mit den Schalen vergoren wird (Maischegärung). Dadurch bekommt er eine bernstein-orange Farbe und Tannine. Mit Farbstoff oder Orangen hat das nichts zu tun.
Woher kommt die orange Farbe?
Aus dem Schalenkontakt während der Gärung — Farbstoffe und Gerbstoffe lösen sich aus den Traubenschalen. Es ist also reine Natur, kein Zusatz.
Was ist eine Amphore beim Wein?
Ein großes Tongefäß, in dem Wein vergärt und reift — in Georgien Qvevri genannt und traditionell in der Erde vergraben. Das Weingut Rothe baut Orange Wine in solchen Amphoren aus.
Wie schmeckt Orange Wine?
Kräftiger und griffiger als klassischer Weißwein: Die Gerbstoffe aus den Traubenschalen geben ihm Struktur und Tannine. Geschmacklich steht Orange Wine zwischen Weißwein und Rotwein.
Ist Sankt Sprizz ein Orange Wine?
Nein. Die Weinbasis von Sankt Sprizz ist eine Cuvée aus Weiß- und Rotwein vom Weingut Rothe — sie sorgt für den zarten Rosé-Ton, ganz ohne Farbstoffe. Orange Wine ist eine eigene Spezialität des Weinguts.





