Die Geschichte von Sankt Sprizz
Die Italiener sagen, München sei die nördlichste Stadt Italiens — spätestens, wenn sie selbst auf die Wiesn fahren. Gemeint ist der Lebensstil, der hier viel mehr draußen stattfindet als im Rest Deutschlands (und ein bisschen die italienische Architektur, die Baumeister aus dem Süden hinterlassen haben). Man sitzt im Biergarten, an der Isar, auf den Stufen vor der Bavaria oder in den Streben der Hackerbrücke, hat ein gutes Gespräch und ein kaltes Glas in der Hand — und der Nachmittag muss nirgendwohin. Das ist die Kunst, die ich an dieser Stadt liebe: einfach mal nichts müssen.
Was mich lange gestört hat: Im Glas war meistens Bier, ein Radler oder der gängige orange Spritz. Ein wirklich guter Aperitivo ohne Alkohol — der hat gefehlt.
Und dann die Feiern. Runde Geburtstage, Hochzeiten, Taufen. Man kommt zusammen, um etwas zu begehen, und stößt am Ende mit verschiedenen Gläsern an — die einen mit Sekt, die anderen mit Sekt-o, Apfelschorle oder Wasser. Ich wollte einen Aperitif, der fein genug zum Anstoßen ist und trotzdem niemanden am Tisch übrig lässt.
Beim Bier haben wir das Reinheitsgebot, beim Aperitif nichts dergleichen — vieles, was schön nach Sonnenuntergang aussieht, schmeckt am Ende mehr nach Zucker und Farbe als nach echten Zutaten. Das andere Extrem wollte ich aber auch nicht: bio, aber belehrend, immer nur auf Gesundheit bedacht. Mir ging es um beides zugleich — deutsche Vita und ehrliche Zutaten.
Gefeilt habe ich lange — fast zwei Jahre, bis der Geschmack saß. Seit Anfang 2026 entsteht Sankt Sprizz in der Genossenschafts-Brennerei Willing von 1881 bei Bad Aibling. Et voilà. Warum alle am selben Tisch anstoßen →


